D-Galactose: Der Zucker der Milch – Herkunft, Vorkommen und Stoffwechsel

D-Galactose ist zusammen mit Glucose Teil des Milchzuckers und ein Baustein von Zelloberflächen und Nervengewebe. Woher der Name kommt, wo sie vorkommt, wie der Körper sie verwertet und wie sie gewonnen wird.
Karaffe und Glas Milch neben einer Schale mit weißem Galactose-Pulver im Morgenlicht

verfasst von:

Sebastaina

Sebastian Weiss

D-Galactose ist der Zucker, der in der Milch steckt: Zusammen mit Glucose bildet sie den Milchzucker und ist damit eine der ersten Kohlenhydratquellen im Leben jedes Menschen. Gleichzeitig ist sie ein fester Baustein des Körpers – von Zelloberflächen bis zur weißen Substanz des Gehirns. Hier erfährst du, woher Galactose ihren Namen hat, wo sie vorkommt, wie der Körper sie verwertet, wie sie gewonnen wird und woran die Wissenschaft derzeit forscht.

Was ist D-Galactose?

D-Galactose ist ein Einfachzucker (Monosaccharid) aus der Gruppe der Hexosen – also der Zucker mit sechs Kohlenstoffatomen. Sie hat dieselbe Summenformel wie Traubenzucker (Glucose), C6H12O6. Der Unterschied liegt in einem einzigen Detail: An einem Kohlenstoffatom ist eine Hydroxygruppe anders im Raum ausgerichtet. Diese kleine Änderung reicht aus, damit der Körper Galactose über einen eigenen Stoffwechselweg verarbeitet.

  • Aussehen: weißes, kristallines Pulver, gut wasserlöslich
  • Geschmack: mild süß – die Süßkraft liegt bei etwa einem Drittel von Haushaltszucker
  • Energiegehalt: wie andere Kohlenhydrate rund 4 kcal pro Gramm

D-Galactose gehört zu den Zuckern, die wir in unserem Kompetenzzentrum unter dem Begriff intelligente Zucker zusammenfassen – gemeinsam mit D-Ribose und Isomaltulose.


Name und Geschichte

Der Name verrät die Herkunft: „gala“ ist das griechische Wort für Milch. 1855 bemerkte der Chemiker Otto Linné Erdmann, dass beim Spalten von Milchzucker neben Glucose ein zweiter Zucker entsteht. Louis Pasteur untersuchte ihn kurz darauf genauer, und 1860 gab ihm Marcellin Berthelot den Namen Galactose.

Unabhängig davon fand man im 19. Jahrhundert im Gehirn einen Zucker, den man „Cerebrose“ nannte – nach dem lateinischen Wort für Gehirn. Später stellte sich heraus: Cerebrose und Galactose sind dasselbe. Daher stammt der Beiname „Hirnzucker“, der bis heute verwendet wird.


Galactose als Baustein des Körpers

Galactose ist nicht nur Nahrung, sondern auch Baumaterial. Der Körper stellt sie selbst her – nach Schätzungen in der Fachliteratur etwa ein bis zwei Gramm pro Tag – und baut sie an vielen Stellen ein:

  • Zelloberflächen: Als Teil von Zucker-Eiweiß-Verbindungen (Glykoproteinen) und Zucker-Fett-Verbindungen (Glykolipiden) sitzt Galactose auf der Außenseite vieler Zellen. Diese Strukturen dienen der Erkennung und Kommunikation zwischen Zellen.
  • Nervengewebe: Galactose ist Bestandteil der Cerebroside, die einen großen Teil der Myelinscheiden ausmachen – der isolierenden Hüllen um die Nervenfasern. Sie prägen die weiße Substanz des Gehirns.
  • Schleimhäute: In den Schleimstoffen, die Schleimhäute auskleiden, kommen ebenfalls galactosehaltige Zuckerketten vor.
  • Blutgruppen: Die Merkmale der Blutgruppen A, B und 0 beruhen auf unterschiedlichen Zuckerketten an der Oberfläche der roten Blutkörperchen – Galactose ist daran beteiligt.
Visualisierung einer Nervenzelle mit leuchtender Myelinscheide um die Nervenfaser
Als Teil der Cerebroside steckt Galactose in den Myelinscheiden der Nervenfasern.

Galactose in der Muttermilch

Milchzucker (Laktose) ist ein Zweifachzucker aus je einem Molekül Glucose und Galactose. Muttermilch enthält rund 7 Gramm Laktose pro 100 Milliliter und damit deutlich mehr als Kuhmilch. Für Säuglinge ist Galactose also von Anfang an ein wichtiger Teil der Ernährung.

Auch die Oligosaccharide der Muttermilch, eine Gruppe besonderer Mehrfachzucker, enthalten Galactose als Baustein.


Vorkommen in Lebensmitteln

In unserer Ernährung steckt Galactose vor allem gebunden – als Teil der Laktose. Freie Galactose kommt dagegen nur in kleinen Mengen vor.

  • Milch und Milchprodukte: Milch, Joghurt, Sahne und Käse liefern Galactose über ihre Laktose. In fermentierten Produkten wie Joghurt oder gereiftem Käse spalten Milchsäurebakterien einen Teil der Laktose, dabei wird auch etwas freie Galactose frei.
  • Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Erbsen und Soja enthalten galactosehaltige Mehrfachzucker wie Raffinose und Stachyose.
  • Obst und Gemüse: In geringen Mengen findet sich freie Galactose zum Beispiel in Heidelbeeren, Ananas und Honigmelonen.
  • Pflanzengummis: Gummi arabicum und andere Pflanzengummis bestehen zu einem großen Teil aus galactosehaltigen Zuckerketten.
Milch, Joghurt, Käse, Sahne, Bohnen, Linsen, Erbsen, Edamame, Heidelbeeren, Ananas und Honigmelone auf einem Holztisch
Galactose steckt in Milchprodukten, Hülsenfrüchten und in kleinen Mengen in manchen Früchten.

So verwertet der Körper Galactose

Im Dünndarm wird Laktose durch das Enzym Laktase in Glucose und Galactose gespalten. Galactose gelangt anschließend über denselben Transporter wie Glucose (SGLT1) aus dem Darm ins Blut und mit dem Pfortaderblut zur Leber.

Die Leber nimmt Galactose über den Transporter GLUT2 auf und verarbeitet sie größtenteils dort. Über den sogenannten Leloir-Weg – benannt nach dem argentinischen Biochemiker und Nobelpreisträger Luis Federico Leloir – wird sie in mehreren Schritten in eine Form der Glucose umgebaut. Diese kann die Leber als Energie nutzen, als Glykogen speichern oder für den Aufbau von Zucker-Eiweiß-Verbindungen verwenden.

Fehlt eines der Enzyme dieses Wegs, liegt eine Galaktosämie vor – eine seltene, angeborene Stoffwechselstörung, die bei Neugeborenen im Rahmen des Neugeborenen-Screenings erkannt wird. Betroffene müssen Galactose ihr Leben lang meiden.


Galactose und Haushaltszucker im Vergleich

Galactose und Haushaltszucker liefern gleich viel Energie, werden im Körper aber auf ganz unterschiedlichen Wegen verarbeitet.

Blutzucker: der Umweg über die Leber

Haushaltszucker wird im Dünndarm schnell in Glucose und Fructose gespalten. Die Glucose gelangt direkt ins Blut, der Blutzuckerspiegel steigt rasch an. Galactose dagegen wird größtenteils von der Leber aufgenommen und dort erst über den Leloir-Weg in Glucose umgebaut. Nur ein Teil davon gelangt anschließend ins Blut. In Messungen liegt der glykämische Index von Galactose deshalb bei rund 20 bis 25 – Haushaltszucker kommt auf etwa 65 bis 70, Glucose als Bezugsgröße auf 100.

Und das Insulin?

Insulin ist das Hormon, das Zucker aus dem Blut in die Körperzellen schleust. Wie viel Insulin der Körper nach Galactose ausschüttet und welche Rolle der Weg über die Leber dabei spielt, wurde in mehreren Studien untersucht. Für eine in der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu Blutzucker oder Insulin reichen die Daten bislang nicht aus, daher dürfen wir die Studienergebnisse hier nicht im Detail wiedergeben.

Haushaltszucker und Galactose im Vergleich

HaushaltszuckerD-Galactose
ArtZweifachzuckerEinfachzucker
BausteineGlucose + FructoseGalactose
VerarbeitungGlucose geht direkt ins Blutgrößtenteils in der Leber (Leloir-Weg)
Glykämischer Indexetwa 65–70rund 20–25
Energierund 4 kcal/grund 4 kcal/g
Süßkraft100 %etwa ein Drittel
VorkommenZuckerrüben, ZuckerrohrMilchzucker, Pflanzengummis

Herstellung: aus Milch oder aus Akazien

D-Galactose als Zutat lässt sich auf zwei Wegen gewinnen:

  • Aus Milchzucker: Laktose aus Molke wird gespalten, die Galactose abgetrennt und gereinigt. Diese Galactose ist nicht vegan und kann Spuren von Laktose enthalten.
  • Aus Gummi arabicum: Der getrocknete Pflanzensaft afrikanischer Akazienbäume enthält lange Zuckerketten mit viel Galactose. Werden sie gespalten und gereinigt, entsteht pflanzliche Galactose – vegan und laktosefrei.

Für unser Z3-MaxEnergie verwenden wir Galactose aus Gummi arabicum. Laut Spezifikation unseres Rohstofflieferanten hat sie eine Reinheit von mindestens 98 % und ist:

  • vegan
  • frei von Laktose und Fruktose
  • frei von Allergenen im Sinne der EU-Kennzeichnungsvorschriften
  • gentechnikfrei und nicht bestrahlt

Hergestellt wird sie in mehreren Schritten: Der pflanzliche Rohstoff wird gelöst und gefiltert, die langen Zuckerketten werden gespalten, anschließend wird die Galactose abgetrennt, gereinigt, entsalzt, auskristallisiert und getrocknet. Ohne Lösungsmittel und ohne Trägerstoffe – das Pulver besteht zu 100 % aus D-Galactose.

Bernsteinfarbene Tropfen Gummi arabicum an der Rinde einer Akazie bei Sonnenaufgang
Gummi arabicum, der getrocknete Saft von Akazien, ist eine pflanzliche Quelle für Galactose.

D-Galactose in der Forschung

Weil Galactose anders verstoffwechselt wird als Glucose, ist sie seit Jahrzehnten ein Forschungsthema. Untersucht werden unter anderem diese Fragen:

  • Gehirn und Energiestoffwechsel: In Tierversuchen an Ratten wurde untersucht, wie sich Galactose im Trinkwasser auf den Energiestoffwechsel des Gehirns auswirkt, wenn die Insulinsignale dort künstlich gestört sind.
  • Blutzuckerreaktion: Studien vergleichen, wie unterschiedlich der Blutzucker auf Milch und pflanzliche Drinks reagiert – auch abhängig von ihrem Galactose- und Laktosegehalt.
  • Zellkultur: Schon 1967 wurde im Labor beobachtet, wie sich Krebszellen verhalten, wenn man Glucose im Nährmedium durch Galactose ersetzt. Heute ist dieser Austausch eine gängige Labormethode, um den Energiestoffwechsel von Zellen zu untersuchen.
  • Darm: Eine Studie an Mäusen von 2022 hat den Einfluss von Galactose auf die Darmflora und die Darmschleimhaut nach Strahlenbelastung betrachtet.
  • Mögliche Kehrseiten: In sehr hohen, gespritzten Mengen wird D-Galactose in der Forschung dagegen genutzt, um bei Versuchstieren Alterungsprozesse künstlich nachzustellen. Die Dosis und die Art der Zufuhr machen hier den Unterschied.

Viele dieser Arbeiten sind Tier- oder Laborstudien. Für eine in der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angabe reichen die Daten bislang nicht aus, daher dürfen wir die spannenden Ergebnisse hier nicht thematisieren. Die wichtigsten Arbeiten findest du unten in den Quellen.


Galactose im Verbund mit anderen Zuckern

Zucker unterscheiden sich darin, wie schnell sie verdaut und aufgenommen werden und wo im Körper sie verarbeitet werden. Galactose ist ein Einfachzucker und muss nicht erst gespalten werden. Isomaltulose dagegen ist ein Zweifachzucker, der im Dünndarm deutlich langsamer gespalten wird als Haushaltszucker. Ribose wiederum ist vor allem als Baustein von RNA und ATP bekannt. In Kombination entstehen so Mischungen aus Kohlenhydraten mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Unser Z3-MaxEnergie ist ein Pulver zum Einrühren, das genau diesen Ansatz verfolgt. Die Tagesdosis von 2 Dosierlöffeln (10 g) enthält 5 g D-Galactose, 3 g D-Ribose und 2 g Isomaltulose. Die Galactose stammt aus Gummi arabicum, die Ribose wird aus gentechnikfreier Maisstärke fermentiert. Das Pulver kommt ohne Koffein und ohne stimulierende Inhaltsstoffe aus, ist vegan, laktose- und glutenfrei und frei von Zusatzstoffen. Hinweis: Wegen der Galactose ist es nicht geeignet für Menschen mit Galaktosämie.


Häufige Fragen

Ist Galactose dasselbe wie Milchzucker?

Nein. Milchzucker (Laktose) ist ein Zweifachzucker aus Glucose und Galactose. Galactose ist also ein Teil davon.

Ist Galactose bei Laktoseintoleranz geeignet?

Bei einer Laktoseintoleranz fehlt das Enzym, das Laktose spaltet. Freie Galactose muss nicht gespalten werden. Entscheidend ist die Herkunft: Galactose aus Gummi arabicum ist laktosefrei, Galactose aus Milchzucker kann Spuren von Laktose enthalten.

Ist Galactose bei Fruktoseunverträglichkeit geeignet?

Galactose selbst enthält keine Fruktose.

Ist Galactose vegan?

Das hängt von der Herkunft ab. Galactose aus Milchzucker ist nicht vegan, Galactose aus Gummi arabicum – wie in unserem Z3-MaxEnergie – schon.

Wer sollte auf Galactose verzichten?

Menschen mit Galaktosämie, einer angeborenen Stoffwechselstörung, die meist schon kurz nach der Geburt erkannt wird.

Wie viel Galactose ist sinnvoll?

Das ist individuell. Halte dich an die Verzehrempfehlung auf dem jeweiligen Produkt.

Was gilt in Schwangerschaft und Stillzeit?

Galactose ist über Milchprodukte ein normaler Teil der Ernährung, und der Körper der Mutter bildet sie in der Stillzeit selbst in großen Mengen für den Milchzucker der Muttermilch. Zu konzentrierter Galactose als Ergänzung in dieser Lebensphase gibt es nur wenige Daten.

Was ist bei der Einnahme von Medikamenten zu beachten?

Typische Wechselwirkungen zwischen Galactose in üblichen Mengen und Medikamenten sind nicht bekannt.

Kann ich Galactose zum Süßen verwenden?

Ja, für kalte Speisen und Getränke. Sie süßt deutlich milder als Haushaltszucker. Wie andere Zucker dieser Art bräunt sie beim Erhitzen schnell und eignet sich daher weniger zum Backen.


Quellen

  • Coelho, A. I., Berry, G. T. & Rubio-Gozalbo, M. E. (2015). Galactose metabolism and health. Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care, 18(4), 422–427. doi.org/10.1097/mco.0000000000000189
  • Šalković-Petrišić, M. et al. (2014). Long-term oral galactose treatment prevents cognitive deficits in male Wistar rats treated intracerebroventricularly with streptozotocin. Neuropharmacology, 77, 68–80. doi.org/10.1016/j.neuropharm.2013.09.002
  • Šalković-Petrišić, M. (2018). Oral galactose provides a different approach to incretin-based therapy of Alzheimer’s disease. jneurology.com
  • Shkembi, B. & Huppertz, T. (2023). Glycemic responses of milk and plant-based drinks: food matrix effects. Foods, 12(3), 453. doi.org/10.3390/foods12030453
  • Watkins, J., Simpson, A., Betts, J. A., Thompson, D., Holliday, A., Deighton, K. & Gonzalez, J. T. (2020). Galactose ingested with a high-fat beverage increases postprandial lipemia compared with glucose but not fructose ingestion in healthy men. Journal of Nutrition, 150(7), 1765–1772. doi.org/10.1093/jn/nxaa105
  • Zhu, T. et al. (2022). D-galactose protects the intestine from ionizing radiation-induced injury by altering the gut microbiome. Journal of Radiation Research, 63(6), 805–816.
  • On growth of cancer cells in media in which glucose is replaced by galactose (1967). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/5586915

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Für D-Galactose sind in der EU keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Stand: Oktober 2026.

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