Selen: Spurenelement für Zellschutz, Schilddrüse & Immunsystem

Selen hilft, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen, und unterstützt die Schilddrüse. Wo es steckt, wie viel du brauchst und welche Form sinnvoll ist.
Paranüsse in und ohne Schale auf einem Stein vor grünen Regenwaldblättern im Morgenlicht

verfasst von:

Sebastaina

Sebastian Weiss

Selen ist ein Spurenelement, von dem der Körper nur wenige Mikrogramm am Tag braucht – und trotzdem steckt es an Schlüsselstellen: Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen, unterstützt die normale Schilddrüsenfunktion und das Immunsystem und hilft, normale Haare und Nägel zu erhalten. Weil die Böden in Mitteleuropa von Natur aus eher selenarm sind, lohnt sich ein genauer Blick. Hier erfährst du, wo Selen steckt, wie viel du brauchst und worin sich die verschiedenen Selenformen unterscheiden.

Was ist Selen?

Selen ist ein essenzielles Spurenelement. Der Körper kann es nicht selbst herstellen, braucht es aber in winzigen Mengen – gerechnet wird in Mikrogramm, also Millionstel Gramm.

Seine Besonderheit: Selen wird als Baustein direkt in Eiweiße eingebaut. Dafür gibt es sogar eine eigene Aminosäure, das Selenocystein, oft als 21. Aminosäure bezeichnet. Beim Menschen sind rund 25 solcher Selenoproteine bekannt. Zu den wichtigsten gehören die Glutathionperoxidasen, die an der Abwehr von oxidativem Stress beteiligt sind, und die Deiodasen, die in der Schilddrüse arbeiten.

Der Name stammt übrigens vom griechischen Wort für den Mond, „Selene“ – ein Hinweis auf die enge chemische Verwandtschaft mit dem Element Tellur, das nach der Erde benannt ist.


Wofür der Körper Selen braucht

Für Selen sind mehrere gesundheitsbezogene Angaben zugelassen. Umgesetzt in Alltagssprache heißt das:

  • Zellschutz: Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
  • Schilddrüse: Selen unterstützt eine normale Schilddrüsenfunktion.
  • Abwehrkräfte: Selen leistet einen Beitrag zur normalen Funktion des Immunsystems.
  • Haare und Nägel: Selen hilft, normale Haare und Nägel zu erhalten.
  • Fruchtbarkeit beim Mann: Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei.

Selen arbeitet dabei selten allein. Beim Zellschutz ergänzt es sich gut mit Vitamin E und Vitamin C, die ebenfalls dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Und bei Haaren und Nägeln sitzt es mit Zink und Biotin im selben Boot.


Selen und Jod: das Team für die Schilddrüse

Die Schilddrüse ist das Organ mit dem höchsten Selengehalt im Verhältnis zu ihrem Gewicht. Das hat einen guten Grund: Hier bildet der Körper aus Jod die Schilddrüsenhormone. Das Speicherhormon T4 wird anschließend in die aktive Form T3 umgewandelt – und genau diesen Schritt übernehmen die selenhaltigen Deiodasen.

Jod und Selen sind hier also Partner. Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen bei, Selen unterstützt die normale Schilddrüsenfunktion. Wer auf das eine achtet, sollte das andere mitdenken.


Warum der Boden über die Versorgung entscheidet

Bei kaum einem anderen Nährstoff hängt der Gehalt in Lebensmitteln so stark vom Boden ab. Pflanzen nehmen Selen aus der Erde auf – und die Böden in weiten Teilen Mitteleuropas, auch in Österreich und Deutschland, enthalten von Natur aus eher wenig davon. Eiszeiten und Auswaschung haben ihren Teil dazu beigetragen.

Hügelige Felder mit frisch gepflügter brauner Erde und grünen Reihen im Morgenlicht
Wie viel Selen Pflanzen aufnehmen, hängt stark vom Selengehalt des Bodens ab.

Ein bekanntes Beispiel für den Einfluss des Bodens ist Finnland: Dort wird seit 1984 Selen gezielt dem Dünger zugesetzt, um den Gehalt in Getreide und Futtermitteln zu erhöhen. In Mitteleuropa erfolgt das nicht. Selen wird hierzulande allerdings dem Tierfutter beigemischt – ein Grund, warum tierische Lebensmittel meist mehr Selen liefern als pflanzliche.

Für die Küche bedeutet das: Ein Getreide- oder Gemüseprodukt kann je nach Herkunft ein Vielfaches oder nur einen Bruchteil an Selen enthalten.


Selenreiche Lebensmittel

Unangefochtener Spitzenreiter sind Paranüsse. Sie wachsen im Amazonasgebiet auf teils selenreichen Böden – der Gehalt schwankt allerdings stark je nach Herkunft, sodass schon eine einzige Nuss sehr unterschiedliche Mengen liefern kann. Weitere gute Quellen (Richtwerte je 100 g):

Paranüsse, Thunfisch, Lachs, Eier, Champignons, Sonnenblumenkerne und Vollkornreis auf einem Holztisch
Paranüsse, Fisch, Eier und Pilze gehören zu den selenreichen Lebensmitteln.
  • Paranüsse: je nach Herkunft von rund 100 bis über 1.000 µg
  • Thunfisch, Hering und andere Seefische: rund 30–90 µg
  • Eier: rund 20–30 µg
  • Fleisch: rund 10–20 µg
  • Pilze und Hülsenfrüchte: je nach Boden sehr unterschiedlich

Wer sich überwiegend pflanzlich ernährt, hat es mit Selen daher schwerer: Die Hauptquellen sind tierisch, und der Gehalt pflanzlicher Lebensmittel hängt vom Anbauboden ab.


Wie viel Selen am Tag?

Für die Kennzeichnung von Lebensmitteln gilt in der EU ein Referenzwert (NRV) von 55 µg Selen pro Tag. Die D-A-CH-Referenzwerte nennen als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr:

  • Männer: 70 µg pro Tag
  • Frauen: 60 µg pro Tag
  • Stillende: 75 µg pro Tag

Der tatsächliche Bedarf ist individuell. Wie gut die Versorgung aus der Ernährung gelingt, hängt davon ab, was auf dem Teller landet – und woher es stammt. Wichtig bei Selen: Da es in vielen Kombi- und Multipräparaten steckt, lohnt es sich, die Mengen aus allen Produkten zusammenzuzählen.


Selenformen: Selenit und Selenomethionin

In Nahrungsergänzungsmitteln kommen vor allem zwei Formen vor, die sich in ihrem Weg durch den Körper unterscheiden:

  • Natriumselenit: eine anorganische Verbindung. Der Körper kann sie direkt für den Aufbau seiner Selenoproteine verwenden.
  • Selenomethionin: eine organische Form, bei der Selen an die Aminosäure Methionin gebunden ist – so kommt Selen auch natürlich in Getreide, Nüssen und Hefe vor. Der Körper kann Selenomethionin anstelle von Methionin in Eiweiße einbauen und so einen Vorrat anlegen.

Unser Selen-Komplex verbindet beide Wege: Eine Kapsel liefert 200 µg Selen (364 % NRV), davon 145 µg als Natriumselenit und 55 µg als L-Selenomethionin. Als Füllstoff dient Akazienfaser, die Kapselhülle ist pflanzlich. Die Kapseln sind vegan, in Deutschland hergestellt und rückstandskontrolliert, und eine Packung reicht für zwei Monate.


Häufige Fragen

Wann nehme ich Selen am besten ein?

Am besten zu einer Mahlzeit, unzerkaut mit einem Glas Wasser. Die Tageszeit spielt keine große Rolle – wichtiger ist die Regelmäßigkeit.

Kann ich Selen zusammen mit Vitamin C einnehmen?

Bei Natriumselenit ist ein zeitlicher Abstand zu hochdosiertem Vitamin C sinnvoll, weil Vitamin C das Selenit chemisch verändern kann. Nimm zum Beispiel Selen morgens und Vitamin C mittags oder abends.

Reichen ein paar Paranüsse aus?

Paranüsse sind eine hervorragende Selenquelle, aber ihr Gehalt schwankt so stark, dass sich die Menge im Alltag kaum abschätzen lässt. Als gelegentliche Ergänzung sind sie ideal, als verlässliche Tagesquelle eher nicht.

Brauchen Veganer mehr Selen?

Nicht mehr, aber sie haben es schwerer, auf ihre Menge zu kommen. Die ergiebigsten Quellen sind tierisch, und pflanzliche Lebensmittel aus selenarmen Regionen liefern wenig.

Was gilt in Schwangerschaft und Stillzeit?

In der Schwangerschaft entspricht der D-A-CH-Referenzwert mit 60 µg dem der übrigen Frauen. In der Stillzeit steigt er auf 75 µg, weil Selen auch in die Muttermilch übergeht.

Was ist bei der Einnahme von Medikamenten zu beachten?

In den üblichen Mengen gilt Selen als gut mit Medikamenten kombinierbar. Wichtig ist vor allem, die Selenmengen aus allen Produkten zusammenzurechnen – etwa wenn zusätzlich ein Multivitamin- oder Haut-Haare-Nägel-Präparat eingenommen wird.

Wie lagere ich Selenkapseln richtig?

Trocken, lichtgeschützt und bei Raumtemperatur – und außerhalb der Reichweite kleiner Kinder.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die genannten Eigenschaften von Selen, Jod, Vitamin C und Vitamin E beruhen auf zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben gemäß VO (EU) 432/2012. Stand: September 2026.

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